2012 ist nur eine abgeschwächte Grippewelle zu erwarten

Rostocker Mediziner gibt Entwarnung

[ROSTOCK NACHRICHTEN, 05.06.2012] Für die nächste Grippesaison, mit der Experten frühestens im Spätherbst 2012 rechnen, gibt Professor Emil Reisinger, Direktor des Instituts für Tropenmedizin und Infektiologie an der Universitätsmedizin Rostock, weitgehend Entwarnung. „Eine kommende Epidemie wird vermutlich in abgeschwächter Form ablaufen“, so der Mediziner. Er begründet seinen Optimismus unter anderem damit, dass der Schweinegrippevirus H1N1, der bereits seit vier Jahren weltweit vorherrscht, wieder zirkulieren wird, gegen den viele Menschen bereits geimpft sind.
Deshalb wurde auch für die Grippesaison 2011/2012 die Zusammensetzung des Impfstoffs von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegenüber dem Vorjahr nicht verändert: Er enthält einen A(H1N1)-Stamm des ehemals pandemischen Schweinegrippevirus, einen A(H3N2)- und einen Influenza B-Stamm. „Viele Menschen haben die Erkrankung bereits durchgemacht und ein Großteil hat sich impfen lassen“, sagt der Professor. „Deshalb gibt es in der Bevölkerung bereits einen beträchtlichen Schutz. Der wird laut Prof. Reisinger aber nur bei regelmäßiger Grippeschutzimpfung wirksam. Nach der Impfung ist der Schutz in 10 bis 14 Tagen aufgebaut. Zum anderen hält die Schutzwirkung der Impfung meist nur eine Saison lang an.
Der Experte bilanziert, dass die Grippeepidemie „in den letzten zwei Jahren relativ mild verlaufen ist. Vor der Schweinegrippe hatten wir jährlich zwischen 10.000 bis 20.000 Grippetote in Deutschland“. Im letzten Jahr waren es weniger als 5.000. „Wenn die Leute sich weiterhin so konsequent impfen lassen, erwarten wir eine milde Grippewelle“, meint Reisinger. Er schränkt allerdings ein: „Es kann natürlich plötzlich durch Punktmutationen oder durch weitere genetische Veränderungen ein neues Virus auftreten. Dann hätten wir eine andere Situation“.
Jedes Jahr lässt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die weltweit die Grippeaktivität von Labors messen lässt, den aktuellen Wirkstoff an ausgewählten Zentren im Sommer testen. Dazu gehört seit vier Jahren auch die Universitätsmedizin in Rostock, die den Status eines Zentrums für Impfstoffstudien hat. Hier arbeitet auch Oberarzt Dr. Micha Löbermann in der Impfstoff-Forschung. „Bevor die Zulassung für den Basisimpfstoff erfolgt, müssen jährlich klinische Studien vorausgehen“, erläutert Löbermann. In Rostock erhalten beispielsweise jeden Sommer freiwillige Probanden eine Impfung. „So wird getestet, wie der Impfstoff wirkt und wie er vertragen wird“, so der Oberarzt. Der saisonale Impfstoff setzt sich jedes Jahr aus Bestandteilen der aktuell weltweit zirkulierenden drei Influenza-Virustypen (A/H1N1, A/H3N2, B) zusammen.
Weiterer Gradmesser sind die Angaben der „Arbeitsgemeinschaft Influenza“ des Robert Koch Institutes (RKI). Sie beruhen auf regelmäßigen Meldungen von rund 700 Ärzten. Seit März 2011 fragt das RKI im Rahmen von „GrippeWeb“ (www.grippeweb.rki.de) ergänzend auch direkt die Bevölkerung nach akuten Atemwegserkrankungen. Bislang machen über 1.000 Teilnehmer regelmäßig mit. Die Zahl soll weiter erhöht werden, um auch für regionale Auswertungen repräsentativ zu sein.

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