Mecklenburg-Vorpommerns landschaftliche Schönheit muss sich nicht hinter jener Bayerns verstecken

Bundesminister Dr. Peter Ramsauer fordert attraktive Lebens- und Wirtschaftsräume auch auf dem Lande

[ROSTOCK NACHRICHTEN, 31.03.2012] „Parks“ und „Gärten“ – beide Begriffe durchaus in einem synonymen Verständnis – standen im Fokus des Parlamentarischen Abends in der Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern beim Bund am 28. März 2012 in Berlin.

So begrüßte Ministerpräsident Erwin Sellering die Gäste auch mit seiner Deutung dieses Themas mit Frühlingsbezug und sprach von einem Genuss versprechenden Zusammenspiel von Kultur und Natur. Parks und Gärten in seinem Bundesland böten „magische Momente“ – viele Schlösser sowie Guts- und Herrenhäuser seien nach der Wiedervereinigung von Menschen mit großer Leidenschaft wieder hergerichtet worden. Diesen Enthusiasten gebührten Dank und Anerkennung. Neben Erhaltung und Pflege gehe es auch um eine sinnvolle Nutzung dieser Schätze – dem Gartentourismus in Mecklenburg-Vorpommern komme daher eine große Bedeutung zu. Über 1.100 Parks und Gärten warteten dort auf Gäste; die BUGA 2009 in Schwerin habe gar mit ihren 32 Außenstandorten rund 1,8 Millionen Gäste angezogen. Konzerte vor Grüner Kulisse hätten besondere Erlebnisse beschert, aber auch Gesundheit und kulinarische Genüsse seien auf reges Interesse gestoßen.

Dass sich Mecklenburg-Vorpommern hinsichtlich seiner landschaftlichen Schönheit nicht hinter Bayern verstecken müsse, betonte sodann Dr. Peter Ramsauer, der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Er machte deutlich, dass er sich trotz des Schwerpunktes seines Ministeriums in besonderer Weise auch der Entwicklung des ländlichen Raumes verpflichtet fühle. So sei er Schirmherr des Gartennetz Deutschland e.V. – die Parks und Gärten in Deutschland seien Spiegelbilder der Symbiose von Kultur und Natur in den letzten 500 bis zuweilen 1.000 Jahren. Er warnte davor, den städtischen gegen den ländlichen Raum ausspielen zu wollen – beide bedingten einander. Auch führte er aus, dass er beim Bau von Verkehrswegen des Bundes immer auch die regionale Erschließungsfunktion im Auge habe; viele Kritiker wollten sich auf eine reine Verbindungsfunktion zwischen Metropolregionen beschränken. Als Beispiel für diesen Disput nannte er die Bundesautobahn A20, die sogenannte „Ostseeautobahn“ – man müsse solche Projekte hinsichtlich des Nutzens generationsübergreifend bewerten, so Dr. Ramsauer. Er bezog sehr deutlich Position in der Frage des demographischen Wandels und seiner Auswirkungen auf die ländlichen Regionen – ländliche Räume dürften nicht aufgegeben werden. Vielmehr müssten attraktive Lebens- und Wirtschaftsräume in Kooperation zwischen Bund und Ländern, idealerweise unter Einbeziehung der Gemeinden, geschaffen und erhalten werden. Der Bundesminister forderte dabei aber zum Abschluss eine pragmatische Herangehensweise – es gehe um viel gelebte Kooperation bei möglichst geringer Institutionalisierung.

In der folgenden Podiumsdiskussion positionierten sich unter der Moderation von Dr. Wolf Karge der auf das Gut seiner Eltern in Mecklenburg-Vorpommern zurückgekehrte Regisseur Hans-Jürgen Syberberg, der auf dem einst seinen Großeltern gehörenden Gut Dalwitz wirkende Dr. Heinrich Graf von Bassewitz, der Vorsitzende des Gartennetz Deutschland e.V. Prof. Dr. Christian Antz und der westfälische „Biobauer“ Friedrich Ostendorff, MdB für BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN und deren Agrarpolitischer Sprecher:
Professor Antz erläuterte den Anspruch des Gartennetz Deutschland e.V. – dieser sei ein Meta-Netzwerk mit Initiativen als Mitgliedern. Dieses übergeordnete Netzwerk solle die Interessen der einzelnen Vereinigungen bündeln, um gemeinsam dem Begriff „Garten“ wieder eine positive Deutung zu geben und die „Lust am Garten“ in den Vordergrund zu rücken. Gärten bzw. Parks seien als „Seele der Landschaft“ zu verstehen und Ausdruck einer Kulturlandschaft. Er machte deutlich, dass sich ideelle und ökonomische Anliegen durchaus in Einklang bringen lassen – so mache in Österreich eine Supermarktkette Werbung mit dem Slogan „Zurück zum Ursprung!“, lasse sich also auch mit diesem Anspruch durchaus Geld verdienen.
Ostendorff, seit 44 Jahren Landwirt mit ökologischem Anspruch, stellte die Frage nach dem heutigen bäuerlichen Auftrag in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Man müsse sich schon zwischen Gewinnmaximierung einerseits und Leidenschaft andererseits entscheiden – ihm jedenfalls gehe es um echte „Agrar-Kultur“. Die heutige Entkopplung von der Natur sei zu beklagen, dabei gehe es doch nicht um das hocheffiziente Gewinnen von „Erzeugerschlachten“, sondern auch um Schönheit im Umfeld landwirtschaftlicher Betriebe. Die heute jedenfalls noch zu findende Idylle auf dem Lande sei massiv bedroht; dabei sei in Deutschland die Kostenführerschaft nie erreichbar. Die Vielfalt sollte im Fokus stehen – Hedgefonds hätten in der Landwirtschaft jedenfalls nicht zu suchen.
Ostendorff setzt sich z.B. für die Erhaltung von Apfelsorten ein, die heute kaum noch jemand kennt – damit könnten Gen-Reserven bewahrt werden. Auch er sieht in dem Begriff „Heimat“ und in der Regionalität des landwirtschaftlichen Anbaus Kriterien für ein zeitgemäßes Marketing. Trotz aller Globalisierung blieben die regionalen Eigenschaften erhalten, die Heimat ausmachten.
Das „Mecklenburger ParkLand“ stehe für regionale Agrarkultur, so Graf von Bassewitz, für den Bäume als Standortfaktor im Fokus stehen. Die Einrichtung von Ferienwohnungen auf den restaurierten Gütern habe sich bewährt – Arbeitsplätze seien entstanden. Solche „weichen Standortfaktoren“ führten nunmehr gar zu einem Zuzug in die Region. Natürlich sei dafür insgesamt die verfügbare Infrastruktur entscheidend.
Ein vergleichender Blick nach Großbritannien lohne sich – dort seien die zumeist jahrhundertealten Parks und Gärten längst anerkannter Wirtschaftsfaktor. Dies zeige das Potenzial ländlicher Regionen auch in Deutschland auf, wobei natürlich auch Geduld gefragt sei.
Syberberg votierte für eine Neudefinition des Begriffs „Park“, der Traditionelles wie Modernes verbinden solle. Auf seiner Website sei ein regelrechter „Internet-Tourismus“ zu verzeichnen – mit rund 6.000 Besuchern täglich. Er zeigt regionale Probleme auf und setzt sich – auch gegen anfängliche Widerstände – u.a. für die Wiederherstellung des Kirchturms in seinem Ort ein. Bei der Wiederherstellung des Parks auf seinem Gut werde nun eben die vorhandene Biogasanlage integriert und somit ein erweitertes, modernes Park-Verständnis geprägt. Die Bäume sollten weitgehend nach dem alten Plan gesetzt werden. Er beabsichtigt Kulturprojekte in diesem dann wieder hergestellten Park, in deren Rahmen etwa Video-Installationen als modernes Medium denkbar seien. Ein Pilotprojekt sei bereits für Mai 2012 geplant. Ihm gehe es um eine eigene Form des Parks, der sich in die weitere Landschaft öffnen solle.

Weitere Informationen zum Thema:

MECKLENBURG-VORPOMMERN
MV in Berlin

MECKLENBURG-VORPOMMERN
DAS LANDESPORTAL / Gärten und Parkanlagen

Gartennetz Deutschland
Bundesverband regionaler Garteninitiativen

Mecklenburger ParkLand
Bei uns gibts nichts … ausser schön …

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