Rostock: Studentischer Lehrgarten für Nutzpflanzen mitten in der Stadt

Universität Rostock betreibt praxisnahe Lehre

[ROSTOCK NACHRICHTEN, 13.07.2011] Mitten in der Stadt hat die Agrar-und Umweltwissenschaftliche Fakultät der Universität Rostock (AUF) einen über zwei Hektar großen Lehrgarten. Den können Studenten vom Campus aus zu Fuß erreichen:
Sie möchte, dass die Studenten Wissen zum Anbau der verschiedenen Nutzpflanzen direkt aus dem praktischen Beispiel erlangen, sagt Professorin Bärbel Gerowitt. Für die Wissenschaftlerin ist es äußerst wichtig, dass Studenten die Abläufe auf dem Feld aus der eigenen Anschauung kennenlernen. Dabei lasse sich auch erlernen, was und wie beim wissenschaftlichen Arbeiten gemessen, gewogen und geschätzt werden müsse, um neue Erkenntnisse über die Nutzpflanzen zu gewinnen.

Auf den Parzellen des Lehrgartens wachsen unter anderem Raps, Weizen, Gerste, Futterrüben, Sonnenblumen, Kartoffeln und Ackerbohnen. Viele Studenten der Agrarwissenschaften hatten bislang noch keine großen Berührungen mit der Landwirtschaft. So wie Isabell Drenkow aus dem zweiten Semester. Die 21-Jährige weiß jetzt, dass nichts von allein wachse, da müsse bis zur Ernte viel gemacht werden. Dem gelernten Immobilienkaufmann David Sefzat, der den Familienbetrieb des Vaters übernehmen will und deshalb Agrarwissenschaften studiert, sei es mit dem Praktikum auf dem Feld wie einem jungen Arzt gegangen, der das erste Mal am Patienten arbeitet. Sefzat weiß jetzt, dass jede Pflanze einen anderen Anspruch hat, damit sie optimal gedeiht. Genau darum geht es der Professorin – es zahle sich im ganzen weiteren agrarwissenschaftlichen Studium aus, wenn die Studenten klare Vorstellungen von den genauen Abläufen beim Anbau der verschiedenen Nutzpflanzen hätten.
Mit dieser Erkenntnis läuft die Wissenschaftlerin bei Klaus Zeplin, Vorsitzender der Papendorfer Agrargenossenschaft und Chef des Kreisbauernverbandes Bad Doberan, offene Türen ein. Sie brauchten gut ausgebildete Fachleute in der Verwaltung, die Ahnung von der Praxis hätten, sagt Zeplin, der vor 40 Jahren an der Universität Rostock Agrarwissenschaften studierte. Er begrüßt, dass die Universität Rostock das Studium der Agrarwissenschaften praxisorientiert ausrichtet. Nach seiner Auffassung müsste die Landesforschung in die Ausbildung der Studenten integriert werden, so Zeplin, in dessen Betrieb Studenten der Universität Rostock Praktika absolvieren oder Daten für Belegarbeiten sammeln. So lasen sich Lehre und Forschung bestens kombinieren. Genau dies sei die Herausforderung, nämlich die wissenschaftliche Ausbildung auf soliden praktischen Kenntnissen zu begründen, betont Prof. Gerowitt.

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